MarkusBreuer
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16 years ago @ massenpublikum - Overload · 0 replies · +1 points
Da (Original Post; die Kommentare sind mir zu viel) ist sicherlich einiges wahr dran. Liest sich auch nett, diese Thematik mal etwas unaufgeregter behandelt zu erleben.
Wo ich aber nicht zustimmen kann, ist die Behandlung der digitalen Kommunikation als etwas grundsätzlich "anderes", wie sie Szenenbeschreibungen wie die folgende implizieren:
> Plötzlich holt jemand sein iPhone oder Blackberry raus, checkt Mails, twittert oder macht
> was auch immer und verlässt dabei zumindest die Konversation, in der er oder sie sich
> gerade noch befand. Ist das höflich, anständig, angemessen? Natürlich nicht.
Es gibt viele Wege, im Rahmen einer Konversation den Focus zu shiften und vom unmittelbaren Gegenüber abzuziehen. Die gab es auch schon vor Einführung des Mobiltelefons und sie wurden und werden in meiner Umgebung laufend praktiziert. Da wendet sich in einem Dialog einer der Beteiligten einfach ab und spricht mit einem Dritten (oder verabschiedet sich mit einer fadenscheinigen Entschuldigung). Da greift jemand Gelangweiltes auf einmal zur Speisekarte oder einem der herumliegenden Szenemagazine, etc. etc. Das wird nicht gerade als höfliches Verhalten interpretiert, lässt man in den meisten Situationen aber durchgehen.
Wenn dabei jedoch ein digitales Gadget im Spiel ist, schwappt die Empörung der Muggles wie selbstverständlich (natürlich?) hoch, während andere Formen des Focus-Shifts eher toleriert werden.
Woran liegt das? Es ist ein kultureller Wandel. Diesen haben einige zum Teil gemacht, andere nicht.
Was mir an diesem Zitat missfällt ist zudem die Wertung, dass solches Verhalten "natürlich" unhöflich, unangemessen und unanständig ist. "natürlich" ist wenig. Und Höflichkeit ist in erster Linie Konvention und hat mir Natürlichkeit sehr, sehr wenig zu tun.
Höflich, im Sinne der etablierten Konventionen, aber völlig unrealistisch erscheint mir zu Beispiel die Erwartungshaltung eines Gesprächspartners, dass ich mich solange er/sie das will, zu 100% auf ihn/sie konzentriere. Es gibt solche Gespräche. Und in denen werde ich mich nicht ablenken lassen. Es gibt aber vielmehr "Kommunikation", bei der das nicht notwendig und angemessen ist. In welche Kategorie ein Austausch mit anderen Menschen gehört, hat mit dem verwendeten Medium wenig zu tun. Es mag sein, dass ich gerade eine intensive Diskussion per Internet führe, die so wichtig ist, dass ich mich davon auch nicht durch jemanden ablenken lassen will, der physisch vor mir steht.
Und das ist auch völlig ok so. :)
Wo ich aber nicht zustimmen kann, ist die Behandlung der digitalen Kommunikation als etwas grundsätzlich "anderes", wie sie Szenenbeschreibungen wie die folgende implizieren:
> Plötzlich holt jemand sein iPhone oder Blackberry raus, checkt Mails, twittert oder macht
> was auch immer und verlässt dabei zumindest die Konversation, in der er oder sie sich
> gerade noch befand. Ist das höflich, anständig, angemessen? Natürlich nicht.
Es gibt viele Wege, im Rahmen einer Konversation den Focus zu shiften und vom unmittelbaren Gegenüber abzuziehen. Die gab es auch schon vor Einführung des Mobiltelefons und sie wurden und werden in meiner Umgebung laufend praktiziert. Da wendet sich in einem Dialog einer der Beteiligten einfach ab und spricht mit einem Dritten (oder verabschiedet sich mit einer fadenscheinigen Entschuldigung). Da greift jemand Gelangweiltes auf einmal zur Speisekarte oder einem der herumliegenden Szenemagazine, etc. etc. Das wird nicht gerade als höfliches Verhalten interpretiert, lässt man in den meisten Situationen aber durchgehen.
Wenn dabei jedoch ein digitales Gadget im Spiel ist, schwappt die Empörung der Muggles wie selbstverständlich (natürlich?) hoch, während andere Formen des Focus-Shifts eher toleriert werden.
Woran liegt das? Es ist ein kultureller Wandel. Diesen haben einige zum Teil gemacht, andere nicht.
Was mir an diesem Zitat missfällt ist zudem die Wertung, dass solches Verhalten "natürlich" unhöflich, unangemessen und unanständig ist. "natürlich" ist wenig. Und Höflichkeit ist in erster Linie Konvention und hat mir Natürlichkeit sehr, sehr wenig zu tun.
Höflich, im Sinne der etablierten Konventionen, aber völlig unrealistisch erscheint mir zu Beispiel die Erwartungshaltung eines Gesprächspartners, dass ich mich solange er/sie das will, zu 100% auf ihn/sie konzentriere. Es gibt solche Gespräche. Und in denen werde ich mich nicht ablenken lassen. Es gibt aber vielmehr "Kommunikation", bei der das nicht notwendig und angemessen ist. In welche Kategorie ein Austausch mit anderen Menschen gehört, hat mit dem verwendeten Medium wenig zu tun. Es mag sein, dass ich gerade eine intensive Diskussion per Internet führe, die so wichtig ist, dass ich mich davon auch nicht durch jemanden ablenken lassen will, der physisch vor mir steht.
Und das ist auch völlig ok so. :)